Internationales Frauenfrühstück

     
     
   
 

Sie hilft Migrantinnen aus der Isolation

Susanne Graf-Geller aus Grünendeich ist Erfinderin und Chefin des Frühstückstreffs für Ausländerinnen.

Von Adréana Peitsch

Grünendeich -

Susanne Graf-Geller schlüpft in ein weißes Sommerkleid mit lilafarbenem Muster. "Das habe ich oft im Sommer getragen, als ich in diesem Jahr meine Freundin Lolla in Ägypten besucht habe", erinnert sich die große, schlanke Frau. Mit der Begegnung mit Lolla hat für die 48 Jahre alte Frau aus Grünendeich vor Jahren ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Die beiden lernten sich kennen, als ihre Söhne im selben Kindergarten betreut wurden. "Lolla stellte damals den ersten Kontakt zu einigen Migrantinnen her, die hier im Landkreis leben, oft ohne Anschluss und völlig auf sich gestellt", sagt Graf-Geller.

Die gelernte Krankenschwester merkte schnell, woran es den Frauen, die aus den unterschiedlichsten Gründen aus dem Ausland nach Deutschland emigriert sind, mangelt: "Viele leben regelrecht isoliert von der Gesellschaft und stehen mit ihren Problemen meist ganz allein da", sagt sie. Vor fünf Jahren kam ihr daher die Idee, diese Migrantinnen, die aus Kasachstan, Algerien, der Türkei, den Philippinen, Ägypten und vielen weiteren Ländern stammen, regelmäßig zu einem Frühstück einzuladen. Jeden ersten Mittwoch im Monat treffen sich mittlerweile etwa 30 Frauen im Dorfgemeinschaftshaus in Steinkirchen, um sich auszutauschen, sich zu unterstützen oder einfach zusammen zu lachen, zu musizieren und zu spielen.

Die 33 Jahre alte Sarayi Öztürk, die gemeinsam mit ihrem Mann 2003 aus politischen Gründen aus der Türkei fliehen musste, kommt regelmäßig zum "internationalen Frauenfrühstück": "Ohne Susanne säße ich allein zu Hause", ist sich Sarayi Öztürk sicher und auch Rabia Feindt-Riggers, die der Liebe wegen 1995 nach Estebrügge kam, kann ein Lied davon singen, wie schwer Migrantinnen es oft haben, gesellschaftlich Fuß zu fassen. "Eigentlich muss immer ich den ersten Schritt machen", bedauert die quirlige Frau.

Graf-Geller möchte diese Begegnungen nicht als langweiliges Kaffeekränzchen abgetan wissen. Denn hier können die Frauen frei sprechen, hier kommen ihre Probleme auf den Tisch und sie fühlen sich verstanden. "Die meisten Migrantinnen haben sehr ähnliche Sorgen", hat Graf-Geller erfahren: Isolation, mangelnde Akzeptanz bei den neuen Verwandten, Sprachschwierigkeiten. Doch Susanne Graf-Gellers Engagement geht weit über die Organisation dieser Frühstückstreffen hinaus. Eigentlich ist sie rund um die Uhr für ihre Frauen, die zum Teil auch zu Freundinnen geworden sind, ansprechbar. Zu Rabia beispielsweise eilte sie, als diese im Stader Krankenhaus ihren Sohn Zino auf die Welt brachte. "Ich war so geschwächt, ohne Susanne hätte ich das gar nicht durchgestanden", erzählt sie.

Oft sind es auch weniger erfreuliche Anlässe, wenn Graf-Geller gerufen wird. Einer Iranerin, die von ihrem Mann geprügelt wurde, half sie mit deren beiden Kindern den gewalttätigen Ehemann zu verlassen und begleitete sie auch zu Gerichtsterminen, als die Scheidung verhandelt wurde.

Für Sarayis Familie erkämpfte sie bei den Behörden eine neue Wohnung, weil sich in der alten Schimmel ausgebreitet hatte. Sarayis Sohn ist Allergiker und musste zu der Zeit häufig im Krankenhaus behandelt werden. Oder sie begleitet ihre Schützlinge zum Arzt, sammelt Geld für dringend benötigte Möbel und Küchenausstattungen, berät in Jobfragen, hilft bei der Wohnungssuche. Gerade bei Auseinandersetzungen mit Behörden ist sie oft gefragt und kämpft Wochen und Monate für die Belange der Migrantinnen. "Sicher, oft mache ich mich nicht beliebt", sagt die energische und temperamentvolle Frau. "Doch ohne die Frauen wäre mein Leben viel leerer, die Arbeit gibt mir unendlich viel zurück."

Susanne Graf-Geller aus Grünendeich ist Erfinderin und Chefin des Frühstückstreffs für Ausländerinnen.

Anerkennung kam vom Land Niedersachsen. 2005 wurde der engagierten Frau der niedersächsische SPD-Frauenpreis verliehen, für "ihren mutigen und herausragenden Beitrag, der die Emanzipation von Frauen vorantreibt", heißt es in der Urkunde. "Mich machen nicht die Schicksale, Sorgen und Nöte der Frauen fertig, sondern die Behörden", stellt Graf-Geller klar. Sie wünscht sich mehr Mitmenschlichkeit, mehr guten Willen. Und ihr größtes Anliegen ist: "Dass die Bürger hier ihre Zurückhaltung aufgeben und diese tolle Menschen einfach mal kennenlernen." Solange das noch nicht recht klappen will, wird Graf-Geller weiterhin ihr Netzwerk spinnen und Frauen, die nicht typisch deutsch aussehen, im Supermarkt, auf der Straße oder beim Spaziergehen ansprechen und einladen. Denn nicht nur für sie beginnt dann häufig ein ausgefülltes Leben, auch Graf-Geller möchte auf diese bereichernden Begegnungen nicht mehr verzichten: "Sonst wäre ich nie nach Ägypten gekommen!"

erschienen am 3. Januar 2009

 
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Frauen aller Nationen unterwegs


Horneburger Gleichstellungsbeauftragte lädt ein

Horneburg (sal).Frauen aller Nationen sind eingeladen, Angebote und Einrichtungen des Kreises Stade und der Samtgemeinde Horneburg zu erkunden. Fünf Fahrten hat die Horneburger Gleichstellungsbeauftragte, Gisela Punke, zusammengestellt. Begleitet werden sie von Andrea Krause-Lohmeyer und Susanne Graf-Geller.
Eine Führung durch das Handwerksmuseum in Horneburg steht am Donnerstag, 25. September, auf dem Plan. Durch die Ausstellung „Frauenleben in der Geschichte Horneburg“ führt Elfriede Schiwek. Treffpunkt ist um 9.30 Uhr am Mehrgenerationenhaus.
Am Donnerstag, 30. Oktober, wird die Beratungsstelle Pro Familia in Stade besucht. Interessierte treffen sich um 8.30 Uhr am Horneburger Bahnhof und fahren mit dem Zug nach Stade. Um 11.45 Uhr sind sie zurück.
Eine Stadtführung in Stade mit Dagmar Papenthien ist am Donnerstag, 13. November, möglich. Treffpunkt ist wieder um 8.30 Uhr am Bahnhof Horneburg. Rückkehr: um 11.45 Uhr in Horneburg.
Die Awo-Beratungsstelle gegen häusliche Gewalt in Stade wird am Donnerstag, 27. November, besucht. Treffpunkt: 8.30 Uhr am Bahnhof Horneburg. Rückkehr: 11.45 Uhr.
Am Donnerstag, 11. Dezember, ist unter dem Titel „Die Frauen des Schlosses“ das Schloss Agathenburg Ziel der Reise. Treffpunkt: 8.30 Uhr am Bahnhof Horneburg. Rückkehr: 11.45 Uhr.
Jeden Dienstag von 10 bis 12 Uhr treffen sich die Frauen im Mehrgenerationenhaus, um die Angebote vor- und nachzubereiten, miteinander ins Gespräch zu kommen und dabei ihre Deutschkenntnisse zu erweitern. Das Projekt wird vom Land gefördert, Projektträger ist die Vernetzungsstelle für Gleichberechtigung, Frauenbeauftragte und Gleichstellungsbeauftragte in Hannover.
Die Angebote, inklusive Fahrt und Eintritte, sind kostenfrei. Anmeldungen sind möglich bis Dienstag, 23. September, im Mehrgenerationenhaus in Horneburg, Lange Straße 38, und telefonisch unter Telefon 0 41 63/ 86 84 92.

20.09.2008

 
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Mit ihren Gästen, die sich für multikulturelle Familienbildung und Bildungschancen einsetzen, feierten Mareike Kölln, Marjan A. Najafi, Iyamide Mahdi, Ayse Tezgel und Astrid Gräntzdörffer (stehend, von links) einen „Abend der Internationalen Begegnungen“. Fotos: Lohmann
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Das Dorf soll Kinder erziehen


Abend der Internationalen Begegnungen in Stade – Stadt will Dialog der Kulturen fördern

Stade (sal).Die afrikanische Weisheit „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen“ wollen sie wörtlich nehmen. Um einen ersten Schritt zu machen, veranstalteten Mareike Kölln, Astrid Gräntzdörffer, Iyamide Mahdi, Ayse Tezgel und Marjan A. Najafi einen „Abend der Internationalen Begegnungen“.

Als Freunde unter Freunden sollten sich die Gäste fühlen, die beim Fest mit dem Motto „Fremde sind Freunde“ am Freitagabend im Pastor-Behrens-Haus in Stade begrüßt wurden. Die fünf internationalen Frauen kennen sich durch ihre erfolgreiche Zusammenarbeit in den Bereichen multikulturelle Familienbildung, Förderung von Bildungschancen und interreligiöser Dialog. Die Sechste im Bunde ist Sonja Mäder, Leiterin der Evangelischen Familienbildungsstätte (Fabi).
„Kinder brauchen die Unterstützung der Gemeinschaft, um zu einem gesunden Menschen heranzuwachsen“, sagte Astrid Gräntzdörffer. Diese „Dorfmentalität“ vermisst die Stader Yoga-Lehrerin, die aus Südafrika stammt und seit 30 Jahren in Deutschland lebt. Die Folge: Kinder, die mit Kopf- oder Bauchschmerzen in die Schule gehen, die psychisch gestört sind, die schikaniert, ausgegrenzt und gedemütigt werden, Kinder, die in die Isolation oder die Null-Bock-Haltung flüchten.
Bei der Stadt laufen die fünf Freundinnen offene Türen ein. Die Integration von Migranten und den „Dialog der Kulturen“ will Bürgermeister Andreas Rieckhof fördern. Das Thema „Vielfalt der Kulturen“ habe er zur Chefsache gemacht. Das gab EU-Beauftragte Karina Holst bekannt. Offizieller Auftakt soll ein Runder Tisch am 23. Januar sein. Geplant sei ein Fest der Kulturen im und rund um das Rathaus im November. Mit Vertretern aller Kulturen will die Stadt sich über Themen wie Berufliche Bildung, Sprachförderung und Identität abstimmen und konkrete Schritte entwickeln.
Dass bereits viel getan wird, zeigten die Initiativen vieler Menschen, deren Verdienste am Freitag gewürdigt wurden. Psychotherapeut Michael Sostmann präsentierte das Projekt „Kinder unserer Stadt“, das Kindern und Familien Hilfen anbietet und Patenschaften vermittelt. Rechtsanwalt Jens Hake und Karin Fischer stellten „Compass“ vor, eine Gruppe um Pastor Ekkehard Heise, die Menschen mit ausländischer Herkunft ehrenamtlich hilft. Das „Internationale Frauenfrühstück“ im Alten Land wird von Susanne Graf-Geller aus Grünendeich und der Ägypterin Lolla Orloff organisiert. Hinter der Fabi-Gruppe „Fezs“, die sich an Müttern mit Kindern im Altländer Viertel wendet, stehen Ayse Tezgel und die Erzieherin Heike Engels.

26.11.2007

 
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Die Frauen treffen beim monatlichen Frühstück Gleichgesinnte.
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Fröhlicher Tanz beim Internationalen Frauenfrühstück im Dorfgemeinschaftshaus in Steinkirchen Fotos: Kock
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Mit offenen Armen akzeptiert


Seit fünf Jahren gibt es einmal monatlich das Internationale Frauenfrühstück im Alten Land

Steinkirchen (coq).Ein Stimmengewirr schallt aus dem Dorfgemeinschaftshaus Steinkirchen durch die geöffnete Tür nach draußen. Wer daraufhin einen Blick hinein wirft, findet ein unerwartetes buntes Bild vor: Frauen aus unterschiedlichsten Ländern sind – zum Teil mit ihren Kindern – zum internationalen Frauenfrühstück gekommen. Viele kennen sich schon länger. Neulinge gibt es aber auch. Sie werden mit offenen Armen aufgenommen.
Dank einer Privatinitiative von Susanne Graf-Geller aus Grünendeich kommen Frauen aus dem Alten Land und benachbarten Städten und Kommunen einmal monatlich zum Frühstück zusammen. Seit fünf Jahren mittlerweile. Eine allen sehr lieb gewordene Verabredung, wie auch diesmal die Resonanz von rund 50 Frauen und Kindern deutlich macht.
Fast alle bringen etwas mit für das Frühstücksbüfet, das somit auch der Zunge Erlebnisse ermöglicht, die den eigenen Horizont erweitern. Deutschen Frühstücksgewohnheiten mit Brötchen und Belag gesellen sich dabei Gebäcke aus der Türkei und Fernost, Salate und andere Leckereien hinzu.
Syaine Öztürk aus Horneburg hat diesmal Ayten Olcay mitgenommen. Und die Mutter von vier Kindern ist begeistert von dem Treffen. Vor 15 Jahren zog sie zu ihrem Mann, der schon eine Weile länger allein in Horneburg lebte. Wegen unzureichender Sprachkenntnisse ist sie ein wenig isoliert geblieben. Aber das soll sich jetzt ändern: Sie ist fest entschlossen, an einem Deutsch-Kurs teilzunehmen.
„Als ich nach Deutschland kam, dachte ich, ich sei gut informiert“, schildert Astrid Gräntzdörffer. „Aber die Erfahrung macht man doch erst hier.“ Die Südafrikanerin, die 1978 nach Deutschland kam und in Stade geheiratet hat, kam mit Freundin Helga Schneider zum Frühstück nach Steinkirchen – wegen der Begegnungen dort, auf die beide nicht mehr verzichten mögen. „Auf der Straße spricht man die anderen Frauen doch nicht an, damit sie etwas von sich erzählen. Aber hier kommt man mühelos ins Gespräch.“
Sichtlich gelöst sitzt auch Linda Plauss am Tisch. Die Philippinin, die schon über 30 Jahre in Deutschland lebt, ist in Jork zuhause. Mit ihrem Mann wohnt sie dort in einem eigenen Haus, wie ihr Mann arbeitet auch sie bei Airbus. Anfangs sei es schwer gewesen in Deutschland, sagt sie. Sie fühlt sich integriert, auch wenn sie einige Nuancen unterschiedlichen Lebens in ihrem deutschen Umfeld ausmachen kann.
Die Kurdin Sarayh Öztürk lebt in Hollern-Twielenfleth. Der jüngste Sohn ist zweieinhalb Jahre alt, der Sohn (14) und die 12-jährige Tochter besuchen das Athenaeum in Stade. „Frauen in Deutschland haben viele Möglichkeiten“, meint sie. Das will sie jetzt auch für sich nutzen. Wenn der Jüngste in den Kindergarten kommt, will sie einen Beruf lernen. „Busfahrerin“, sagt sie strahlend.
Sarayh Öztürk greift zur Saz, der türkischen Laute, und spielt. Sofort springen Frauen am Tisch auf und beginnen gemeinsam zu tanzen. Die Türkinnen machen’s vor, die anderen lernen schnell und tanzen mit. Die Fröhlichkeit steckt an.
Das Gästebuch und ein Fotoalbum des Frauenfrühstücks liegen auf dem Tisch. Marianne Bienemann und Heidi Gerbert aus Steinkirchen blättern, erinnern sich an Erlebnisse mit Frauen aus Kuba, Kamerun, SriLanka, Togo, Tunesien, Kolumbien, Brasilien, Malaysia, Mazedonien. Nächsten Monat, am 1. August, kommen sie wieder zum Frühstück. Das steht fest. Und Initiatorin Susanne Graf-Geller weiß: Die vor lauter gespannter Erwartung schlaflose Nacht vor dem Frühstück war – wie immer – völlig unbegründet.

10.07.2007

 
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Ausgezeichnet: Susanne Graf-Geller hat den Niedersächsischen SPD-Frauenpreis erhalten.
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Ein Bündel von Freundschaften


Grünendeicherin Susanne Graf-Geller mit SPD-Frauenpreis ausgezeichnet

Grünendeich (coq).„Fremde sind Freunde, die man nur noch nicht kennen gelernt hat“. Als Susanne Graf-Geller diesen Spruch gefunden hat, wusste sie genau: Das war‘s, was sie an der Begegnungen mit Frauen aus anderen Ländern so faszinierte. Am Freitag bekam die in Grünendeich lebende Parteilose dafür, dass sie mit einem Frauenfrühstück regelmäßige Begegnungen von Frauen aus vielen Ländern ermöglicht hat, den mit 1000 Euro dotierten Niedersächsischen SPD-Frauenpreis verliehen.

Da wollten die Frauen, mit denen die Mutter dreier Kinder schon viele schöne Stunden verbracht hat, nicht fehlen und sorgten im Neuenkirchener Dorfgemeinschaftshaus dafür, dass der Festakt zu einem ganz besonderen Erlebnis wurde. Sie kamen in den Trachten ihrer Länder und sorgten mit Speisen aus ihrer jeweiligen Heimat auch für kulinarische Erlebnisse.
Indirekt machten sie damit auch den Grund für die Preisverleihung deutlich: Susanne Graf-Geller hatte aus eigenem Antrieb die internationalen Frauenfrühstücke ins Leben gerufen, die inzwischen weit mehr geworden sind: Ein dickes Bündel von Freundschaften mit Frauen aus aller Welt.
Am Anfang standen bei Susanne Graf-Geller Kontakte zu einer in Stade lebenden Ägypterin, inzwischen ihre beste Freundin. Dort hatte sie spontane Zusammenkünfte von Frauen kennen gelernt und gemerkt, wie schön und lehrreich solche Gemeinsamkeiten sein können.
Im Dorfgemeinschaftshaus Mittelnkirchen fand das dann von ihr im Alten Land organisierte internationale Frauenfrühstück ein Dach über dem Kopf – und findet nun einmal im Monat stets große Resonanz. „Ich freu’ mich so, dass wir in Neuenkirchen unterkommen konnten. Dafür danke ich der Gemeinde auch ganz besonders“, schildert Graf-Geller.
Mit strahlenden Augen erzählt sie von Erlebnissen im internationalen Miteinander, berichtet davon, wie intensiv sich die Frauen bemühen, Deutsch zu lernen, wie bereichert sie selbst sich fühlt, wenn sie Brauchtum und Kulturen der anderen Länder erfährt. Zum Beispiel beim nigerianischen Gottesdienst, zu dem sie nach Hamburg mitgenommen wurde: „Da war ich die einzige mit weißer Hautfarbe.“ Nicht nur Schönes hat die 45-Jährige mit „ihren“ Frauen erlebt. Konfrontiert wurde sie auch mit dem Leben von Asylbewerbern. „Das kann man sich nicht vorstellen!“, ist sie noch heute empört. „Frauen mit kleinen Kindern und dann keine Waschmaschine. Da muss man helfen.“
Dass sie auch Grenzen hat, weiß die Geehrte. Aber sie versucht auch dann, den Frauen unter die Arme zu greifen, zum Beispiel bei Behördengängen oder bei der Suche nach Übersetzern. Als sie eines Tages herausfand, dass ein Ratgeber über Gewalt gegen Frauen zwar in vielen Sprachen existierte, nicht aber in Thailändisch, half sie mit, für eine Übersetzung zu sorgen. Richtig beglückend ist für Susanne Graf-Geller, dass die Frauen auch an ihrem Leben intensiven Anteil nehmen. „Das kannte ich so noch nicht, das rührt mich sehr“, erzählt sie. Die Herzlichkeit und das Mitgefühl, insbesondere wenn sie selbst mal Sorgen habe, täten unglaublich gut.
Ausgezeichnet wurden in Neuenkirchen auch noch Sabine Nieke und Birgitt Meyer-Hoopmann vom Mädchentreff Verden (je 750 Euro) und Ute Kaul aus Belm (550 Euro) für ihre Ausstellung über Gewalt an Frauen und Kindern.

11.06.2005

 
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